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Dialyse bei akuten Nierenversagen |
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Die Entwicklung des Zellophans durch Wilhelm Thalhimer als semipermeable Membran
bedeutete den Durchbruch zur Entwicklung leistungsfähiger Dialysatoren.
Dr. Willem Kolff
Das qualvolle Sterben in der Urämiebeschäftigte 1938 einen jungen Arzt an der Universität
Groningen in Holland, Dr.W. Kolff. Als er durch den Biochemiker Professor Brinkmann, einen seiner Lehrer, von
der Brauchbarkeit des Zellophans als semipermeable Membran erfuhr, beschäftigte er sich
intensiv mit Dialyseversuchen.
1941 waren für Kolff die finanziellen Voraussetzungen gegeben, um mit der Entwicklung seiner künstlichen Niere zu beginnen. Beim ersten Modell handelte es sich um eine rotierende Trommelniere, von der insgesamt 8 Stück hergestellt wurden. Um die Trommel wurden 30 - 40 m Zellophanschlauch gewickelt, der 1937 als Kunstdarm für Würste erstellt und von Wilhelm Thalhimer in der Wurstindustrie für die Dialyse entdeckt wurde. Die effektive Oberfläche von Kolffs erster Niere betrug ca. 2,4 qm. Die Trommel, zuerst aus Aluminium hergestellt, wurde später aus Holz gefertigt, als durch die Auswirkungen des Krieges Aluminium nicht mehr zur Verfügung stand. Die Wanne faßte ca. 100 l selbst bereitetes Dialysat.
Durch die Rotation der Trommel wurde das Blut durch die Zellophanschläuche transportiert. Vor der Dialyse wurde dem Patienten das Füllvolumen des Dialysators an Fremdblut transfundiert. Das Verdrehen der Blutleinen, das durch die Rotation auftrat, wurde mittels "Split-coupling-System", wie es für die Wasserpumpen in Automobilen benutzt wurde, gelöst.
Der Anblick des Kranken und die Vorstellung, daß das Blut aus seinem Körper durch eine primitive Maschine lief, war schon eine Belastung für den Laien - vielleicht sogar für Ärzte. Als aber darüber hinaus; blutig - rötlicher Schaum über die Wanne sprudelte und auf den Fußboden floß, als Bob Noordwijk nach seinen wasserdichten Gummistiefeln griff, da war die Grenze dessen erreicht, was Außenstehende ertragen konnten. In solchen Augenblicken war Kolff so mitgenommen, daß er vergaß, seine Chirurgenmaske abzunehmen und zur Verwunderung der Leute mit der Maske auf dem Gesicht auf dem Fahrrad nach Hause fuhr."......
Nach 16 vergeblichen Dialysen, die Dr. Kolff durchführte, geschah es
zum ersten Mal in der Entwicklungsgeschichte der künstlichen Niere, daß eine Patientin
durch die Dialyse ein akutes Nierenversagen überlebte. Am 11. September 1945 dialysierte
Kolff eine 68- jährige Patientin, bis ihre eigene Nierenfunktion wieder einsetzte. Dieser
Erfolg bedeutete den Durchbruch für die weitere Entwicklung auf dem Gebiet der
Hämodialyse.
Dr. Nils AlwallAb etwa Mitte der 40er Jahre, als Kolff seinen Triumph feierte, befaßte sich ein schwedischer Arzt ebenfalls mit Dialyseversuchen: Dr. med. FD Nils Alwall. Er entwickelte eine; Art vertikaler Trommelniere. Sie bestand aus einem Kernstück aus Metallgitter, um das der Zellophanschlauch gewickelt wurde, und aus einer Ummantelung ebenfalls aus Drahtgitter, die die Ausweitung der Zellophanschläuche während der Dialyse verhinderte. Dadurch wurde der durch die Blutpumpe erzeugte positive Druck auf der Blutseite aufgefangen.
Mit diesem Dialysator war erstmals
richtige Ultrafiltration möglich, während man zuvor nur durch zum Teil hohe
Glucosekonzentration im Dialysat einen Wasserentzug hatte erreichen können. Die
Behandlungserfolge, die Alwall den Erfolgen von Kolff hinzufügen konnte, lassen es
unbegreiflich erscheinen, mit welchen Vorurteilen Ärzte wie Nils Alwall in den 40-er
Jahren zu kämpfen hatten. Leitende Internisten lehnten die Methode als unnötig,
unethisch und lebensgefährlich ab. Alwall berichtet vom Spott seiner Kollegen, die, wenn
er einen Patienten dialysiert hatte und der danach trotzdem verstarb, sagten, der
Patient sei ge-alwallt" worden.
Dr. Moeller
Nach den Versuchen von Dr. G. Haas von 1924-1928 dauerte es bis zur
Wiederaufnahme dieses Verfahrens in Deutschland bis zum Sommer des Jahres 1948. Der
deutsche Arzt Dr. C. Moeller (1910-1965) informierte sich durch das Studium der Arbeiten
von Kolff und Alwall über die künstliche Niere. Dr. Curt Moeller war zu dieser Zeit
Stationsarzt im Marienkrankenhaus in Hamburg.
Bereits im September desselben Jahres
erfolgte durch Dr. Moeller die Kontaktaufnahme zur Fa. Hübscher, einem Unternehmen für
Medizintechnik und Laborbedarf, zwecks Planung zur Entwicklung einer künstlichen Niere.
Die Ideen für die Herstellung der künstlichen Niere wurden schnell realisiert und
bereits im November 1948 war Modell I der Moeller-Niere fertiggestellt.
Mit dem Erstmodell wurden 11 Dialysen durchgeführt. Die erste erfolgreiche Dialyse am Patienten erfolgte am 8. März 1950 und war gleichzeitig die erste klinisch effektive Dialyse in Deutschland. 1953 erfolgte die Fertigstellung des Modells II, mit 0,6 qm Oberfläche. Mit diesem Modell wurden nicht nur Patienten im Marienkrankenhaus behandelt. Auswärtige Kliniken meldeten sich, und Dr. Moeller reiste mit voller Dialyseausstattung zu den Kliniken, die einen Patienten zur Behandlung anmeldeten. 1955 wurde Modell III der Moeller-Niere fertiggestellt. Die Oberfläche betrug 0,9 qm. Insgesamt 34 Exemplare wurden davon gefertigt.
Der plötzliche Tod von Dr. C. Moeller 1965 beendete
jede Weiterentwicklung dieses deutschen Dialysatortyps.
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